Was ist das Faszinierende an ätherischen Ölen?
Warum sind sie so besonders, einzigartig und unvergleichlich?
Was mich am meisten an ätherischen Ölen fasziniert, ist ihre harmonisierende Eigenschaft auf Körper und Psyche. Der Aspekt der Harmonie ist meiner Ansicht nach auch der Punkt, der ätherische Öle unter allen anderen naturheilkundlichen und chemischen Mitteln so einzigartig macht. Warum das so ist, erfährst du in diesem Artikel.
Unter Harmonie versteht man die Vereinigung und Übereinstimmung verschiedener (ja vielleicht sogar an sich konträrer) Elemente zu einer ausgewogenen, in-sich-stimmigen Gesamtheit.
Das kennst du sicherlich von Musikstücken oder Gemälden: In der Musik verbinden sich tiefe und helle Töne, laute und leise Instrumente, zu einem wohlklingenden harmonischen Musikstück. Bei Gemälden wiederum ergeben Farben - selbst diejenigen, die eigentlich nicht zusammen passen würden - ein wunderschönes Gesamtbild. Was aber meine ich, wenn ich ätherische Öle mit dem Begriff der Harmonie assoziiere? Welche Unterschiede oder gar Gegensätze sind in diesen wertvollen Pflanzensubstanzen harmonisch vereint?
Nun, ich möchte es dir mit den folgenden sieben Punkten verraten:
1. Moleküle
Jedes einzelne ätherische Öl ist in sich selbst eine Harmonie, da es Dutzende und oftmals sogar Hunderte verschiedener Moleküle in sich vereint. Es ist ein komplexes, in sich harmonisches Vielstoffgemisch.
Selbst wenn der Duft einer Pflanze künstlich imitiert wird durch naturidentische chemische Düfte, kommen diese synthetischen Duftstoffe nie an die Komplexität ätherischer Öle heran und haben auch nicht dieselbe Wirkung auf den Körper; synthetische Duftstoffe können mehr schaden als nützen.
Das ausgewogene Zusammenspiel dieser Moleküle sorgt dafür, dass ätherische Öle Eigenschaften aufweisen können, welche sich nicht durch die einzelnen biochemischen Bestandteile erklären lassen. Anders ausgedrückt: die Gesamtheit - das harmonische Zusammengefüge und die Wechselwirkungen zwischen den biochemischen Komponenten - ist und kann mehr als die Summe dieser einzelnen Bestandteile.
2. Wissenschaft und Intuition
Beide Bereiche erscheinen, separat betrachtet, völlig widersprüchlich. In der Aromakunde kommen sie jedoch zusammen: Duft trifft Forschung, Intuition begegnet Wissenschaft. Angefangen hat dies bei René-Maurice Gattefossé, der sowohl Parfümeur als auch Chemiker war und mit seiner sehr wissenschaftlichen, forschungsbezogenen und doch gleichzeitig intuitiven Arbeitsweise den Grundstein legte für die moderne Aromatherapie.
Intuition bedeutet jedoch nicht, dass man in der Aromatherapie "nach Gefühl" vorgehen würde. Nein! Die Aromatherapie basiert auf Wissenschaft und setzt eine auf Forschung und klinischen Erfahrungen gegründete Kenntnis ätherischer Öle voraus, ihrer Eigenschaften, ihrer Risiken und sicheren Einsatzgebieten/Konzentrationen/Dosierungen.
Aromatherapie bedeutet einerseits die Anwendung therapeutisch wirksamer, hochkonzentrierter Pflanzensubstanzen, wofür Fachwissen unerlässlich ist. Aber der Umgang mit ätherischen Ölen beinhaltet andererseits auch der gezielte Einsatz von Düften. Und dafür braucht es - neben dem ganzen Kopfwissen - immer auch eine intuitive Wahrnehmung: Was spüre und erspüre ich, wenn ich an einem ätherische Duft rieche? (Nicht selten zeigt sich übrigens, dass das Fachwissen durch die Intution bestätigt wird).
3. Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit
Ein ätherisches Öl ist eine sichtbare, fühlbare Flüssigkeit, aber gleichzeitig ist es ein unsichtbarer Duft, der nicht mit Händen ertastet oder gehalten werden kann.
4. Materie und Feinstofflichkeit
Auch diese beiden Begriffe sind, separat betrachtet, ein Gegensatz, aber finden sich in ätherischen Ölen ohne das geringste Paradox wider:
Ätherische Öle sind einerseits hochkonzentrierte, biochemische, physikalisch messbare und per Gaschromatographie bis ins Detail analysierbare Substanzen, gleichzeitig aber sind sie flüchtige, subtile und „sich in Luft auflösende“ Düfte. Was sind also ätherische Öle - stofflich oder feinstofflich, materiell oder immateriell? Ich finde, sie sind beides!
Schon im Jahr 1500 wurde in einem Buch über die Destillierkunst beschrieben, dass es beim Destillationsvorgang (= beim Herstellungsvorgang, um ätherische Öle aus Pflanzenteilen zu gewinnen) darum ginge, "Materielles immateriell zu machen". (Original-Buchtitel: Das buch der rechten kunst zü distilieren die eintzigen ding, von Hieronymus Brunschwieg. Das ganze Zitat findest du in meinem Reiseführer).
5. Zartheit und Kraft
Ätherische Öle sind äußerst kraftvoll. Ein einziger Tropfen kann (bei fachkundiger Anwendung) die Blutung einer kleinen Schnittwunde in Sekundenschnelle stoppen oder jedoch (bei fahrlässiger Anwendung) zu schmerzenden Hautschäden führen. Ätherische Öle sind nicht harmlos. Sie haben eine solche Kraft, dass eine unsachgemäß Verwendung zu unerwünschten Wirkungen führen kann, und dass man mit ihnen verantwortungsbewusst und sachgemäß umgehen muss.
Aber trotz ihrer Kraft haben sie eine unvergleichliche Subtilität, Feinheit und Zartheit. Schließlich sind ätherische Öle im Grund Düfte: es sind Parfüms, und es gibt wohl kaum etwas Zarteres als ein unsichtbarer feiner, wohlriechender Duft.
Dominique Baudoux, Gründer der ersten internationalen Aromatherapieschule, formulierte es folgendermaßen: "Im gesamten Verzeichnis der Naturheilmittel gibt es absolut nichts, das so dicht und konzentriert ist wie ätherische Öle und doch gleichzeitig so subtil – subtil, weil es sich eben um Düfte handelt" (Zitatquelle)
6. Die physische, psychische und spirituelle Ebene
Dass diese drei Ebenen harmonisch miteinander vereint sein können, weißt du. Schau dir nur einen Menschen an! Ein Mensch ist nicht nur Körper - er hat auch eine Seele: Gefühle, Gedanken, ein Gewissen. Und darüber hinaus ist er ein spirituelles Wesen, hat einen freien Willen und ein Bewusstsein.
Das Spannende an ätherischen Ölen ist, dass sie Eigenschaften haben, die sich auf all diesen drei Ebenen entfalten können. Wenn du mein Buch liest, weißt du, dass dies schon seit Tausenden von Jahren bekannt ist! Von jeher an wurden ätherische Öle und aromatische Pflanzen von Menschen benutzt, um
- auf den Körper zu wirken (z. B. die medizinische Nutzung ätherischer Öle und pflanzlicher Duftstoffe),
- auf die Seele einzuwirken (z. B. die Verwendung von Parfüms, um sich wohlzufühlen oder sogar um andere zu verführen)
- und auf den Geist Einfluss zu üben (z. B. die Anwendungen ätherischer Duftstoffe in Tempeln und zur Religionsausübung).
Das heißt: Mit ein und demselben Produkt kann man sowohl Körper als auch Seele/Psyche beeinflussen. Ein ätherisches Öl kann beispielsweise muskelentspannende Eigenschaften haben, aber gleichzeitig psychisch beruhigend und stresslindernd sein. Ein anderes ätherische Öl kann sowohl verdauungsfördernd sein als auch stimmungshebend. Wieder ein anderes Öl kann für seine schmerzlindernde, entzündungshemmende Wirkung genutzt werden, aber auch für seine angstlösende (anxiolytische) Eigenschaft. Kennst du irgendein anderes Mittel, das zu so etwas im Stande wäre?
Dies ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass viele Krankheiten psychosomatische, stress- oder emotional bedingte Ursachen haben! Fachkundige Aromatherapeuten berücksichtigen bei ihrer Arbeit sowohl die physischen als auch psychischen Eigenschaften ätherischer Öle und setzen diese gezielt ein, um bestmöglich helfen und unterstützen zu können.
Der Mensch ist mehr als nur sein Körper. Ätherische Öle sprechen, auf eine wahrhaft unvergleichliche Weise, den Menschen in seiner ganzen Gesamtheit an.
7. Biochemische, Energie- und Informationsebene
Darüber hinaus haben ätherische Öle drei Ebenen, auf denen sie ihre Eigenschaften entfalten können:
- auf der biochemischen Eben,
- auf der Energieebene und
- der Informationsebene.
Das klingt für viele Menschen jetzt vielleicht nach Esoterik, doch bereits Gattefossé stellte vor knapp 100 Jahren diese außergewöhnliche Besonderheit bei seinen Forschungen zu ätherischen Ölen fest - und er war Wissenschaftler, welcher mit Schulmedizinern zusammenarbeitete, und kein Esoteriker!
Auch etliche der renommierten Pioniere der französischen, wissenschaftlichen Aromatherapie stellten bei ihren Forschungen und Erfahrungen fest, dass ätherische Öle, über ihrer biochemischen Wirkweise hinaus, noch Wirkebenen aufweisen, die sich wohl eher dem Bereich der Quantenphysik zuordnen lassen würden. Dominique Baudoux veranschaulichte dies mit diesem Vergleich: es ist, als könne ein ätherisches Öl sowohl wie ein starkes Antibiotikum wirken als auch wie ein Homöopathikum, welches nicht pharmakologisch-biochemisch, sondern auf einer Informationsebene wirkt (Quelle).
Und das ist so faszinierend, dass ein und dasselbe Produkt auf allen drei Wirkebenen agieren kann. Ich finde: Nichts, absolut nichts, im Bereich der Naturheilkunde oder im Bereich der Chemie, teilt diese Besonderheit ätherischer Öle!
Möchtest du mehr über ätherische Öle erfahren? Hier geht's zu meinem Buch: