Wer waren die Pioniere der französischen Aromatherapie?
Kurzüberblick zu Lebensgeschichte und Aussagen von vier Pionieren
Die Geschichte der französischen Aromatherapie
Die moderne Aromatherapie, welche von Anfang an hauptsächlich medizinisch ausgerichtet war, wurde von Wissenschaftlern, Ärzten, Chemikern und Apothekern entwickelt, welche sich bei ihrer Arbeit von der Möglichkeit, Effizienz und den Vorteilen natürlicher Behandlungswege in Form von ätherischen Ölen überzeugt hatten.
In diesem Artikel stelle ich dir fünf bekannte Pioniere der französischen Aromatherapie vor, mit kurzen Einblicken in ihre spannenden Lebensgeschichten und jeweils einem aussagekräftigen Zitat.
Ich werde dir hier zwar nur eine kurze Übersicht schreiben (eine ausführlichere Version findest du in meinem Buch), aber dies kann schon sehr aufschlussreich sein kann, denn es zeigt, dass die französische Aromatherapie sowohl auf wissenschaftliche Forschungen als auch jahrelangen praktischen, klinischen Erfahrungen fußt.
René-Maurice Gattefossé (1881-1950)
René-Maurice Gattefossé war ein Chemiker und Parfümhersteller. Im Jahr 1910 erlitt er bei einer Laborexplosion schwere Verbrennungen, die bei ihm zu gefährlichem Wundbrand führten. In der damaligen Zeit führte ein solcher Wundbrand nicht selten zum Tod; Medizinier amputierten gewöhnlich die betroffenen Gliedmaßen, da es kein anderes Mittel gab, eine derartige fortgeschrittene bakterielle Infektion zu bekämpfen. In dieser herausfordernden Situation erinnerte Gattefossé sich an die Berichte der Lavendelbauern. Er behandelte seine von Wundbrand gekennzeichneten Arme mit ätherischem Lavendelöl, und konnte sich selbst von der faszinierenden Wirkung überzeugen. Erstaunt beobachtete er, wie der Wundbrand nach Anwendung von Lavendelöl binnen kürzester Zeit gestoppt war und seine Haut schnell und gut verheilte. Von nun an machte Gattefossé es sich zur Aufgabe, die therapeutischen Eigenschaften ätherischer Öle zu erforschen, sowohl im Labor als auch in klinischen Forschungen. Zu diesem Zweck arbeitete er eng mit Schulmedizinern zusammen.
Ätherische Öle wurden nun für die Versorgung Schwerverletzter im ersten Weltkrieg und der Desinfektion von Verbänden eingesetzt, aber auch für die verschiedensten Krankheiten und Beschwerden wie z. B. Geschwüre, Hauterkrankungen, Entzündungen, Amöbenruhr, Diphterie, Hämorrhoiden, schlecht heilende oder chronische Wunden, die Grippe-Epidemie von 1918 oder der Einsatz ätherischer Öle in der Geburtshilfe. 1937 veröffentlichte Gattefossé sein bekanntes bahnbrechendes Buch „Aromatherapie“ über seine Forschungsarbeiten und den klinischen Erfahrungsberichten der Ärzte.
„Gattefossé verstand die Aromatherapie als eine medizinische Therapieform, deren Grundlage die erforschten und erprobten ätherischen Öle bildeten und deren Eigenschaften sich in vielen Teilen den Wirkungen von Medikamenten gleichsetzen ließen.“
René A. Strassmann, im Vorwort des Buches „Gattefossés Aromatherapie“, AT-Verlag
Dr. Jean Valnet (1920 - 1995)
Jean Valnet wurde als Sohn einer Lehrerin und eines Soldaten geboren. Seine Großmutter war eine kräuterkundige Hebamme, die ihm schon als Kind eine Begeisterung für natürliche Heilpflanzen vermittelte. Bereits in frühen Jahren entschied er, Arzt zu werden. Er studierte Medizin und schloss sein Studium mit sieben Abschlüssen (!) ab, unter anderem in der Allgemeinmedizin, Mikrobiologie, Psychiatrie und Chirurgie.
Zunächst arbeitete Dr. Valnet als Militärarzt in Deutschland, um KZ-Überlebende zu pflegen. Anschließend war er als Arzt und Chirurg im indochinesischen Krieg tätig. Unter extremen Umständen und bedingt durch den dortigen Mangel an Medikamenten setzte er ätherische Ölen bei der Wundbehandlung ein und war durch seine Erfahrungen bald von den Vorzügen ätherischer Öle überzeugt.
Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wurde Valnet zum Chefarzt des Armeeministeriums ernannt. Unter seiner Leitung beschäftigte sich ein Forscherteam mit der Analyse und Erforschung der therapeutischen Eigenschaften ätherischer Öle. Auf diese Weise konnte sich Valnet ein beispielloses Wissen im Bereich der Aromatherapie aneignen.
Mit 39 Jahren verließ er das Militär und gründete eine eigene Arztpraxis, in welcher er Aromatherapie, Phytotherapie und die gezielte Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln miteinander verband.
„Die Aromatherapie, das heißt, die Behandlung von Krankheiten mit Pflanzenessenzen, ist eine vorbeugende und zugleich heilende Methode, die sowohl zum innerlichen wie äußerlichen Gebrauch ätherische Öle einsetzt.“
Dr. Jean Valnet, in: "Aromatherapie. Die Behandlung von Krankheiten mit Pflanzenessenzen", Heyne Verlag
Dr. Jean-Pierre Willem (geboren 1938)
Dr. Willem studierte Medizin und arbeitete mehrere Jahrzehnte lang überwiegend in Krisen-, Katastrophen- und Kriegsgebieten. Er war in Wüsten und Dschungeln tätig, in riesigen Flüchtlingslagern und in Hungerkatastrophen, und leistete in abenteuerlichen, oft gefahrvollen Umständen den Menschen vor Ort erste Hilfe. Während seiner Auslandstätigkeit lernte er Albert Schweizer und Che Guevara, Diane Fossey und Mutter Teresa kennen.
Wie sich Dr. Willem, der als Notfallmediziner und Chirurg ein eingefleischter Schulmediziner war, von der Wirkung der Aromatherapie überzeugte, ist eine beeindruckende Geschichte, die ich hier nur kurz nacherzählen möchte:
Dr. Willem berichtet in seinem Buch "Mémoires d'un médecin aux pieds nus", dass er sich 1966 als Chirurg in Ruanda aufhielt, als eine schreckliche Krankheit (phagadenisches Geschwür) kursierte. Bei dieser Krankheit fraß sich der Erreger durch das Fleisch bis zu den Knochen hin. Antibiotika und andere Medikamente erwiesen sich als völlig wirkungslos. Die Geschwüre, die vor allem an den Beinen auftraten, waren so schmerzhaft, dass etliche der betroffenen Männer aus Verzweiflung und Schmerz Suizid begingen. Der die dortige Klinik leitende Arzt erklärte Dr. Willem, dass man nichts anderes gegen diese Krankheit tun könne, als zu amputieren und zu hoffen, dass die Wundheilung gut verlaufen würde. Dr. Willem führte die Operationen aus und amputierte, bis er sich selbst sagte: „Das kann doch nicht sein! Es muss doch etwas anderes geben.“ Er hatte in seinem Gepäck ein paar Flaschen ätherischer Öle dabei, die er zuvor in Nordfrankreich erworben hatte, und teste Eukalyptus radiata auf der Wunde eines jungen Mannes aus. Das Fortschreiten der Krankheit wurde nicht nur in kürzester Zeit gestoppt, die Wunde fing auch an, in kurzer Zeit auf gesunde Weise zu vernarben. Für Dr. Willem war dies, in seinen Worten, nichts weniger als „ein wahres Wunder“. Fortan behandelte er Patienten mit diesen Geschwüren mit ätherischen Ölen und musste keine Amputation mehr vornehmen. Dieses Erlebnis war der Auslöser, dass er sich fortan zunehmend mit Aromatherapie beschäftigte. Zwischen seinen vielen Auslandsreisen ließ er sich in Frankreich zunächst selbst in mehreren naturheilkundlichen Gebieten ausbilden, später gab er sein Wissen an viele andere weiter. Er hat zahlreiche Bücher zur Aromatherapie verfasst und ist heute noch aktiv.
„Ätherische Öle haben den Vorteil, dass bereits ein paar Tropfen reichen, um eine Wirksamkeit zu erreichen, die schulmedizinischen Medikamenten gleich und manchmal sogar überlegen ist, ohne jedoch deren Nebenwirkungen zu haben.“
Dr. Willem, in seinem Buch „Memoires d’un médecin aux pieds nus“, Albin Michel Verlag
Dr. Danièle Pénoel (geboren 1951)
Dr. Penoel entdeckte als 19-jähriger ätherische Öle, während er sich mit Naturheilkunde beschäftigte. Er studierte Medizin und fing in den 1980er Jahren an, Aromatherapie bei seinen Patienten einzusetzen. Während seiner 40jährigen Tätigkeit als Arzt und Aromatherapeut erforschte und erlebte er bei Tausenden von Patienten mit akuten und chronischen Beschwerden die außergewöhnliche Wirksamkeit von ätherischen Ölen. Dr. Penoel war zusätzlich im Bereich der Forschung tätig, beschäftigte sich u. a. mit der Pharmakokinetik und Pharmakodynamik ätherischer Öle, und war weltweit als gefragter Redner und Dozent tätig.
„In meinem Land haben wir Millionen von Millionen klinische Behandlungen mit ätherischen Ölen verzeichnet.”
Dr. Penoel in einem Vortrag 2005 in Australien
Dr. Dominique Baudoux (geboren 1957)
Dominique Baudoux wurde in eine Apothekerfamilie geboren und arbeitete selbst als Apotheker. Er berichtet, dass es immer mehr Anfragen von Kunden gab, ob er ihnen nicht eine Alternative zu den ihnen vom Arzt verschriebenen Medikamenten nennen könne, da sie unter Nebenwirkungen litten. Dies veranlasste ihn dazu, sich auf die Suche zu machen und mehr über die Naturheilkunde in Erfahrung zu bringen, um seinen Kunden eine Antwort geben zu können. Auf diese Weise stieß er auf die Aromatherapie, von der er so fasziniert war, dass er beschloss, fortan seine Zeit und sein Können ganz der Aromatherapie zu widmen.
1991 übernahm Baudoux die Leitung des Labors von Pierre Franchomme, dem Entdecker der Chemotypen (und ein weiterer sehr bekannter Pionier der französischen Aromatherapie). Da D. Baudoux die Notwendigkeit erkannte, andere Menschen in der Technik der Aromatherapie auszubilden, gründete er in den 1990er Jahren die Aromatherapieschule Collège International Aromatherapie. Als anerkannter Redner hält er weltweit Vorträge über die medizinische Aromatherapie. Er hält einen Doktortitel in der Toxikologie der ätherischen Öle inne.
„Angesichts all dieser Ergebnisse steht für mich fest, dass die Aromatherapie unweigerlich zum therapeutischen Arsenal der Ärzte von morgen gehören wird. Meiner Meinung nach kann sie eine echte Alternative zu konventionellen Behandlungen bieten, mit Ergebnissen, die den klassischen Medikamenten ebenbürtig sind, aber auch mit einem Diskurs und einer wissenschaftlichen Untermauerung (In-vitro-Tests), die genauso solide ist wie die des Referenzmoleküls.“
Dr. Dominique Baudoux in einem Interview in der „Alternative santé“, Journal 11
Neugierig geworden?
Dies waren nun ganz kurze Ausschnitte aus den Leben von fünf bekannten Pionieren. Es gäbe noch weitere wichtige Personen zu nennen - aus Platzgründen habe ich mich auf fünf beschränkt. Wenn dich das Thema interessiert, kannst du in meinem Buch "Reiseführer in die Welt der ätherischen Öle" mehr erfahren.
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