Die Anwendungsformen der französischen Aromatherapie
Vorab: Die französische Aromatherapie unterscheidet sich sehr stark von der deutsch-englischen Herangehensweise. Das betrifft auch die Anwendungsformen.
Falls dir der Unterschied zwischen beiden Richtungen nicht bewusst ist, empfehle ich dir, dir zunächst diese Vergleichsübersicht anzuschauen, bevor du hier weiterliest:
Hier kommt eine Übersicht der Anwendungsformen, die in der sogenannten französischen, medizinisch ausgerichteten Aromatherapie möglich sind. Beachte, dass nicht bei jeder Person, und nicht bei jedem ätherischen Öl, alle Anwendungsformen durchführbar sind!!!
Hautanwendung
Hier werden ätherische Öle verdünnt (kurzzeitig auch pur) auf der Haut aufgetragen.
In der Regel verwendet die französische Aromatherapie eine höhere Konzentration ätherischer Öle als man es im deutsch- und englischsprachigen Raum gewohnt ist. ABER dafür kommen (bis auf sehr seltene Ausnahmen) immer nur ein paar wenige Tropfen zum Einsatz, auch wird stets die Verfassung der Person und evtl. Kontraindikationen berücksichtigt. Niemals wird von einem Hautöl etwas auf die Hand gegossen, um damit eine Körperstelle einzureiben. Nein! Es gibt eine genaue Dosierung - meistens sind es nur wenige Tropfen, welche abgezählt werden.
Auf diese Weise kann vorkommen, dass eine ätherische Ölmischung zwar hochkonzentriert ist (z. B. 40 %), falls dies notwendig und möglich ist, aber es kommen von dieser Mischung pro Anwendung nur 5 Tropfen zum Einsatz.
Vorteil:
Die Hautanwendung ist der vielseitigste Anwendungsweg, der bei einer sehr großen Bandbreite von Beschwerden zum Einsatz kommen kann.
Sicherheitshinweise:
Betreffend ätherischer Öle:
- Dermokaustische ätherische Öle ( z. B. Zimt, Oregano, Thymian ct. Thymol,...) dürfen nie (oder nur extrem stark verdünnt) für die Haut verwendet werden
- Phototoxische ätherische Öle (z. B. Bergamotte, Limette...) dürfen nie (bzw. weniger photosensitive ätherische Öle wie Zitrone nur stark verdünnt) für die Haut verwendet werden
- Manche ätherischen Öle (z. B. Wintergrün, Pfefferminze...) dürfen nie großflächig verwendet werden - auch nicht verdünnt.
- Hautreizende ätherische Öle müssen immer ausreichend verdünnt sein. Manche ätherischen Öle werden auch mit der Oxiation zunehmen hautreizend.
- Verdünnung erfolgt stets in Trägeröl. Bei Verwendung in Wasser (z. B. für ein Bad) ist ein Emulgator erforderlich - außerdem sollten hier keine hautreizenden ätherischen Öle verwendet werden.
- Je stärker konzentriert eine ätherische-Öl-Mischung ist oder je öfter sie angewandt wird, desto mehr gibt es zu beachten!
- Ätherische Öle und -mischungen dürfen nie eingesetzt werden in Augen, in der Nase oder in Ohren.
Betreffend der Personen:
- Manche Hautbereiche sind sensibler als andere und benötigen eine stärkere Verdünnung. Dazu zählt z. B. das Gesicht.
- Manche Menschen haben eine empfindlichere, sensiblere Haut. Hier muss auf eine stärkere Verdünnung geachtet werden - hautreizende ätherische Öle sollten gänzlich vermieden werden. Dazu zählen z. B. Kinder oder Menschen mit Neurodermitis oder Psoriasis
- Die individuelle Toleranzschwelle von Menschen ist unterschiedlich und sollte stets berücksichtigt werden (diesen Aspekt erkläre ich ausführlicher in meinem Buch).
- Ätherische Öle haben das Risiko von allergischen Reaktionen. Ein Hautverträglichkeitstest wird bei jeder neuen Verwendung von ätherischen Ölen empfohlen, bei manchen Personengruppen (z. B. Menschen, die zu Allergien neigen), ist er unabdingbar.
- Etliche ätherische Öle sind bei bestimmten Krankheiten oder bestimmten Verfassungen kontraindiziert. Aus diesem Grund ist Fachwissen nötig.
- Eine generelle Vorsicht gilt bei Schwangeren und Kindern - hier gibt es einiges zu beachten!
Einatmen
Das Einatmen ätherischer Öle kann in Form von Raumdüften stattfinden (z. B. über einen Vernebler oder Diffuser), oder über eine sogenannte Trockeninhalation (das Riechen an einem Riechstift oder an einem Tropfen ätherischen Öl, der auf einen Duftträger gegeben wurde)
Vorteil:
Mit dem Einatmen ätherischer Moleküle kann man das psycho-emotionale Wohlbefinden, die Stimmung, Konzentration und/oder Motivation beeinflussen. Auch bei HNO-Beschwerden kann es natürlich hilreich sein.
Sicherheitshinweise:
Betreffend ätherischer Öle:
- Dermokaustische ätherische Öle ( z. B. Zimt, Oregano, Thymian ct. Thymol...) sind stark hautreizend und können auch die Atemwege reizen. Sie sind daher ungeeignet für diesen Anwendungsweg.
- Neurotoxische ätherische Öle (z. B. z. B. Salbei, Schopflavendel, Rosmarin ct. campher oder ct. cineol, Atlaszeder...) sowie Minzöle (z. B. Pfefferminze...) sind nicht für Raumdüfte geeignet.
Betreffend der Personen:
- Keine Raumdüfte, wenn sich Asthmatiker, Epileptiker, Kleinkinder oder Schwangere im Raum befinden.
- Bei Kindern, die < 6 Jahre alt ist, sollte man sicherheitshalber keinen Diffuser oder Vernebler laufen lassen, wenn sich diese im Raum befinden.
- Die Sicherheitshinweise von Verneblern / Diffusern sollte man kennen, bevor man sie verwendet (z. B. nur 20 Min. am Stück laufen lassen usw. Mehr dazu in meinem Buch).
- Denke daran, dass die Atemwege äußerst sensibel sind gegenüber ätherischen Molekülen!
- Vorsicht bei trockenem Husten / Reizhusten (siehe diesen Artikel).
SUBLINGUAL
Die sublinguale Anwendung bedeutet die Verwendung von (verdünnten) Tropfen im Mund.
Die ätherischen Öle können dabei in Pflanzenöl (z. B. Leinöl oder Schwarzkümmelöl) - oder bei HNO Beschwerden für eine raschere Wirkentfaltung in Honig oder Agavensirup - verdünnt werden. Es werden jedoch nicht mehr als 1-2 Tropfen ätherische Öle verwendet. Dies ist eine sehr intensive Vorgehensweise!
Vorteil:
Ätherische Öle, die von der Mundschleimhaut aufgenommen werden, haben eine sehr schnelle Wirkung auf den Mund- und Rachenraum, die Speiseröhre, das Gehirn, und sie gelangen sehr schnell in den Blutkreislauf.
Sicherheitshinweise:
Betreffend ätherischer Öle:
- Dermokaustische ätherische Öle ( z. B. Zimt, Oregano, Thymian ct. Thymol, Bergbohnenkraut...) sind sehr stark haut- und schleimhautreizend und dürfen niemals auf diese Weise (sublingual) verwendet werden.
- Neurotoxische ätherische Öle (z. B. Salbei, Schopflavendel, Rosmarin ct. campher oder ct. cineol, Atlaszeder...) sind nicht für eine Einnahme geeignet, weder sublingual noch oral.
- Etliche 1,8-Cineolhaltige ätherische Öle (z. B. Eukalyptus radiata und globulus, Niaouli, Ravintsara...) sowie Nadelbaumöle (z. B. Waldkiefer, Schwarzfichte...) gelten als schwer verdaulich - die Einnahme (sowohl sublingual als auch oral) sollte vermieden werden.
- Pfefferminzöl nur geringdosiert und kurzzeitig, Wintergrün ist für die innere Einnahme (wozu sublingual gehört) kontraindiziert.
- Ätherische Öle müssen immer verdünnt werden (einzige Ausnahme wäre Zitrone, aber auch dieses ätherische Öl kann unverdünnt im Mund als reizend, zu intensiv und unangenehm empfunden werden)
Betreffend der Personen:
- Nicht bei Kindern, Schwangeren oder Stillenden (eine Ausnahme kann gelegentlich 1 Tropfen ätherisches Zitronenöl sein).
- Etliche ätherische Öle sind bei bestimmten Krankheiten oder bestimmten Verfassungen kontraindiziert. Vorsicht gilt auch bei fehlender Gallenblase, Magen- oder Verdauungsinsuffizienz. Aus diesem Grund ist Fachwissen nötig. Außerdem sind mögliche Wechselwirkungen zu Medikamenten zu beachten.
ORAL
Mit dem oralen Anwendungsweg ist die Anwendung ätherischer Öle verdünnt in Pflanzenöl (gewöhnlich Schwarzkümmel- oder Leinöl), welche in Kapseln gegeben werden, gemeint.
Vorteil:
Sehr gut (aber nicht nur) geeignet bei einer gewünschten Wirkung auf Magen, Leber oder Darm (z. B. Darmparasiten, Darmdysbiose u. ä.) oder bei schweren Infekten (der orale Anwendungsweg, mit entsprechendem Fachwissen, ermöglicht auch die Verwendung sogenannter dermokaustischer ätherischer Öle).
Sicherheitshinweise:
Betreffend ätherischer Öle:
- Lebertoxische ätherische Öle ( z. B. Oregano, Thymian ct. Thymol, Bergbohnenkraut...) dürfen nur kurzzeitig verwendet werden, unter gleichzeitiger Verwendung leberschützender Maßnahmen.
- Neurotoxische ätherische Öle (z. B. Salbei, Rosmarin ct. campher oder ct. cineol, Atlaszeder...) dürfen nie innerlich genommen werden.
- Etliche ätherische Öle sind schwer verdaulich und können Verdauungsprobleme bereiten, sie eignen sich ebenfalls nicht für den oralen Anwendungsweg (dazu gehören z. B. Eukalyptus globulus und radiata, Cajeput, Niaouli, Ravintsara, Saro...).
- Wintergrün ist für die innere Einnahme kontraindiziert.
- Pfefferminze nur kurzzeitig und sehr gering dosiert und NUR unter professioneller, fachkundiger Beratung (hier gibt es besonders viel zu beachten!)
- Etliche 1,8-Cineolhaltige ätherische Öle (z. B. Eukalyptus radiata und globulus, Niaouli, Ravintsara...) sowie Nadelbaumöle (z. B. Waldkiefer, Schwarzfichte...) gelten als schwer verdaulich. Eine orale Einnahme ist daher kontraindiziert. Bei diesem Anwendungsweg sind immer ätherische Öle zu bevorzugen, welche als gut verdaulich oder sogar verdauensfördernd bekannt sind.
- Keine ätherische Öle pur oder ohne Pflanzenöl in eine Kapsel geben!
- Vorzugsweise immer mit einer Speise nehmen, damit die ätherischen Öle zusätzlich mit dem Mageninhalt verdünnt werden.
Betreffend der Personen:
- Nicht bei Kindern, Schwangeren oder Stillenden!
- Etliche ätherische Öle sind bei bestimmten Krankheiten oder bestimmten Verfassungen kontraindiziert. Vorsicht gilt auch bei fehlender Gallenblase, Magen- oder Verdauungsinsuffizienz. Aus diesem Grund ist umfassendes Fachwissen nötig. Außerdem sind mögliche Wechselwirkungen zu Medikamenten zu beachten.
Vaginal / Anal
In der französischen Aromatherapie können ätherische Öle auch vaginal verwendet werden (als Einläufe oder Vaginalzäpfchen) oder anal (als Zäpfchen). Es gibt etliche Situationen, in denen dies vorteilhaft oder sogar notwendig sein kann. Ich werde an dieser Stelle jedoch nicht näher darauf eingehen. Ärzte, Heilpraktiker u. ä., die mit ätherischen Ölen arbeiten und hierzu Fragen haben, können sich jedoch gerne an mich richten, um nähere Auskünfte zu erhalten oder beraten zu werden.
Weitere Infos
Eine weitere Besonderheit der französischen Aromatherapie ist, dass oftmals zwei oder sogar drei verschiedene Anwendungswege gleichzeitig zum Einsatz kommen (sofern dies notwendig und auch im individuellen Fall möglich ist), um den Menschen bestmöglich helfen zu können. Dabei müssen stets alle relevanten Sicherheitsaspekte beachtet werden.
Vielleicht ist dir aufgefallen: Die Anwendungsformen Injektion und Infusionen wurden hier mit Absicht nicht aufgezählt, denn ätherische Öle dürfen weder injiziert noch in Form von Infusionen verabreicht werden!
Eine Selbstmedikation nach französischem Vorbild ist nicht möglich sondern erfordert immer professionelle Anleitung durch einen entsprechend geschulten Arzt oder Heilpraktiker!